Guinea: sexuelle Gewalt bekämpfen

Five women of different nationalities and cultures standing together. Friendship poster, the union of feminists or sisterhood. The concept of gender equality and of the female empowerment movement.

Beitragsbild: iStock_Ponomariova_Maria

In nur acht Tagen gab es in Guinea mehrere Fälle von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen – zum Teil mit Todesfolge. Zwischen dem 25.11. und dem 2.12.2021 wurden sexuelle Übergriffe auf sechs Mädchen zwischen drei und 16 Jahren sowie auf eine Frau gemeldet. Mehrere von ihnen wurden vergewaltigt und zwei der Mädchen starben.

Amnesty International und die Internationale Vereinigung für Familienplanung (IPPF) fordern die guineischen Behörden nun auf, sofort die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Fälle sicherzustellen und die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen.

In Guinea gibt es häufig Berichte über Vergewaltigungen. Seit Beginn des Jahres wurden den zuständigen Stellen mehr als 331 Vergewaltigungen gemeldet. Dies sei laut NGOs, Journalist_innen, Polizei und Gendarmerie jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Das Thema gehe mit starker Stigmatisierung einher. Deshalb reichten Betroffene häufig keine Klage ein und setzten stattdessen auf gütliche Einigung durch Vermittlung zwischen den Opfern und den mutmaßlichen Tätern bzw. deren Familien.

Erst letzten Monat sorgte ein anderer Fall für Bestürzung: Die fünfundzwanzigjährige M’Mah Sylla wurde mutmaßlich von Ärzten in einer nicht zugelassenen Klinik in Conakry vergewaltigt, als sie sich behandeln lassen wollte. Als sie daraufhin schwanger wurde wollte sie das Kind in derselben Klinik abtreiben lassen. Dabei sei sie erneut vergewaltigt und so schwer verletzt worden, dass sie trotz sieben chirurgischer Eingriffe Ende November verstarb. Zahlreiche Frauen demonstrierten daraufhin in verschiedenen guineischen Städten, um Gerechtigkeit für die Opfer von Vergewaltigung zu fordern. Laut Justizministerium wurden drei der vier mutmaßlichen Täter festgenommen.

Die Behörden des Landes müssen verstärkt gegen sexuelle Gewalt vorgehen. Dabei sollten sie auf Prävention setzen, den Zugang von Opfern zur Justiz stärken und ein Gesetz über Gewalt gegen Frauen verabschieden, wie in der Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau vorgesehen. Die Betroffenen müssen zudem Zugang zu medizinischer und psychosozialer Versorgung sowie Entschädigung erhalten.

In den letzten Jahren hat die Regierung in Guinea einige begrüßenswerte Schritte unternommen. So wurde innerhalb der Gendarmerie eine Sonderbrigade für den Schutz vulnerabler Personen (BSPPV) eingerichtet. Zudem engagieren sich lokale Frauenrechts-Organisationen gemeinsam mit einigen Medien gegen sexuelle Gewalt im Land. Dennoch sind weitere Schritte im Kampf gegen sexuelle Gewalt erforderlich, um die gesamte Gesellschaft auf dieses Problem aufmerksam zu machen und weitere Fälle zu verhindern.

Weitere Informationen zu diesem Thema findet ihr in dieser Pressemitteilung (auf Englisch): https://www.amnesty.org/en/latest/news/2021/12/guinea-horrific-cases-of-rape-and-murder-of-girls-must-urge-authorities-to-strengthen-their-efforts-to-prevent-and-combat-sexual-violence/