Beeindruckende Resilienz: Frauen unter Hexereiverdacht in Ghana

Beitragsbild: Amnesty International

Der Begriff der „Hexerei“ bezeichnet allgemein den Glauben an magische oder übernatürliche Kräfte, die – im negativen Sinne – zur Verursachung von Unglück oder Schaden eingesetzt werden.

Insbesondere im Norden Ghanas ist dieser Glaube weiterhin weit verbreitet und vor allem ältere und sozial benachteiligte Frauen sind immer wieder Anschuldigungen der Hexerei ausgesetzt. Häufig werden sie von Familienangehörigen oder Dorfgemeinschaften verdächtigt, Leid und Unglück mit „bösen Kräften“ verursacht zu haben. Die Folgen sind gravierend: Stigmatisierung, körperliche Gewalt und in manchen Fällen Verbannung in sogenannte „Hexencamps“. Dort leben die Betroffenen unter prekären Bedingungen mit eingeschränktem Zugang zu Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung. Derzeit sind mehrere hundert Frauen und Kinder in ca. fünf Lagern untergebracht.

Medienberichte belegen zudem in den letzten Jahren einen Anstieg an Anschuldigungen und Fällen von Selbstjustiz im Zusammenhang mit Vorwürfen der Hexerei, insbesondere gegen ältere Frauen. Nicht selten enden diese in tödlicher Gewalt – zuletzt im Juli 2025, als eine 70-jährige Frau von einer Gruppe von Personen getötet wurde, nachdem sie der Hexerei bezichtigt wurde.

Die Wurzeln des Hexenglaubens reichen dabei weit vor die Kolonialzeit zurück und sind eng mit traditionellen Glaubensausrichtungen verbunden. Die heutige stark negative Konnotation der Begrifflichkeit der “Hexerei” entstand jedoch durch koloniale und christliche Einflüsse, die lokale spirituelle Praktiken als „dämonisch“ verurteilten. Das Phänomen ist vielschichtig und wird durch religiöse, soziale und ökonomische Faktoren sowie patriarchale Strukturen verstärkt. Auffällig ist, dass fast ausschließlich Frauen – besonders solche, die nicht den sozialen Normen entsprechen – beschuldigt werden.

Hexereianschuldigungen stellen in Ghana ein akutes gesellschaftliches und menschenrechtliches Problem dar. Wissenschaftler*innen wie auch lokale und internationale Organisationen fordern verstärkt Schutzmaßnahmen für Betroffene. Auf nationaler Ebene wird ein Anti-Hexerei-Gesetz seit längerem diskutiert, längst überfällige rechtlich verbindliche Regelungen stehen bis jetzt jedoch noch aus.

Wenn Sie sich zu dem Thema einsetzen wollen, können Sie sehr gerne an unserer Online-Petition hierzu teilnehmen, den Link finden Sie hier.

Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie hier:

Marquées à vie mais résilientes : les femmes accusées de sorcellerie au Ghana | Le Club [1]

Branded for life but resilient: women accused of witchcraft in Ghana [2]

Ghana: Branded for life: how witchcraft accusations lead to human rights violations of hundreds of women in north Ghana