Amnesty International hat zuletzt 2024 in einer ausführlichen Analyse dokumentiert, wie in zwölf afrikanischen Ländern verstärkt Gesetze als Unterdrückungsinstrumente gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans und intergeschlechtliche Menschen eingesetzt werden.
Seit 2023 wurden in mehreren afrikanischen Ländern diskriminierende Gesetze ins Parlament eingebracht oder verabschiedet, die Hass gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LGBTI+) schüren. Grundlage dafür sind insbesondere rechtliche Mittel, die zunehmend als Waffen gegen LGBTI+ eingesetzt werden.
Franziska Ulm-Düsterhöft, Referentin für Afrika bei Amnesty International in Deutschland, sagte hierzu schon 2024: „Im Jahr 2023 wurden in vielen afrikanischen Ländern LGBTI-Organisationen verboten und Versammlungen aufgelöst. Übergriffe auf lesbische, schwule, bisexuelle, trans und intergeschlechtliche Menschen sowie Verhaftungen sind an der Tagesordnung. Da auch die Unterstützung von LGBTI+ zunehmend unter Strafe gestellt wird, verlieren Betroffene ihre Arbeit, ihre Wohnung und den Zugang zu medizinischer Versorgung. Die Situation ist vielerorts so prekär, dass zahlreiche LGBTI+ untergetaucht sind oder versuchen zu fliehen.
Die Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen ist im Zuge der Kolonialisierung erfolgt. Insbesondere jene Staaten, die als Kolonialmächte für diese diskriminierende Gesetzgebung verantwortlich waren, müssen Verantwortung übernehmen und sichere Räume für LGBTI+ eröffnen.“
Auch in den letzten Jahren hat sich die Situation weiter verschärft.
In Senegal wurden im Frühjahr 2026 die Strafen für gleichgeschlechtliche Beziehungen verdoppelt. Künftig soll gleichgeschlechtliche Liebe mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Auch hohe Geldstrafen können verhängt werden.
In Burkina Faso wurde im September 2025 ein neues Personen- und Familiengesetzbuch einstimmig von der Übergangs-Legislativversammlung verabschiedet. Es definiert „Verhaltensweisen, die homosexuelle Praktiken und ähnliche Praktiken fördern könnten“ als strafbar mit einer Freiheitsstrafe von zwei bis fünf Jahren und Geldstrafen von zwei Millionen CFA (etwa 3.000 Euro) bis zehn Millionen CFA (etwa 15.000 Euro).
In Mali, einem weiteren Mitgliedstaat der Allianz der Sahelstaaten (AES), definiert das neue Strafgesetzbuch, das am 31. Oktober 2024 vom Nationalen Übergangsrat verabschiedet und am 13. Dezember vom Übergangspräsidenten unterzeichnet wurde, einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen als „unnatürliche Handlungen” und „Straftaten im Zusammenhang mit unsittlicher Entblößung”, die mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und einer Geldstrafe von 200.000 CFA (300 Euro) geahndet werden.
Auch in Ghana wurde im Frühjahr diesen Jahres ein hartes Gesetz eingeführt, Hier werden Strafen von drei Jahren für Personen vorgesehen, die an LGBT-Aktivitäten teilnehmen und es wurde eine Meldepflicht für Personen eingeführt, die sich als lesbisch, schwul, trans oder bisexuell identifizieren. Auch ihnen drohen Haftstrafen. Amnesty International setzte sich seit 2024 gegen das Gesetz ein, konnte die Entscheidung dann aber nicht verhindern.
Oft stehen schwule Beziehungen oft im Fokus, aber auch lesbische Beziehungen werden immer mehr kriminalisiert.
Zwar sind beispielsweise einvernehmliche in Sierra Leone sexuelle Beziehungen zwischen Frauen nicht ausdrücklich verboten, doch sahen sich lesbische Frauen weiterhin mit erheblichen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert, die es ihnen erschwerten, frei und in Sicherheit zu leben. Sie waren nach wie vor Stigmatisierung, Belästigung und mangelnder Akzeptanz seitens ihrer Familien und Gemeinschaften ausgesetzt.
Amnesty International fordert alle afrikanischen Staaten auf, die Menschenrechte aller Personen gleichermaßen zu schützen und von Bestrebungen, einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen zu kriminalisieren, abzusehen.
